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Ancilla Götzendienst Maße und Masse Meine ES und ich

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Ich wurde gefragt wie ich zu dem Thema "Essstörung- Heilung erwünscht?" stehe.

Über diese Frage habe ich viel nachgedacht. Und dabei ist folgender Gedankenstrom entstanden.

Einerseits möchte ich unbedingt gesund werden.

Die Essstörung nervt einfach. Meinen Selbstwert lese ich an der Waage ab. Er sinkt mit jedem Kilo, jeden 100 Gramm, die sie mehr anzeigt. Ob ich mich mag, sagt mir das Maßband.
Aber zufrieden bin ich letztlich doch nie- ich kann es gar nicht sein, solange jemand existiert, der dünner ist als ich, weniger wiegt als ich.

Ich mache mir nichts vor- selbst wenn ich mein "Idealgewicht" von 52kg erreiche, werde ich mich weiterhin dick fühlen, mir wünschen, doch lieber 40kg zu wiegen. Damals, als ich in die Klinik eingeliefert wurde und diese Zahl auf der Waage sah, war mein erster Gedanke "Verdammt, warum haben sie mich nicht eine Woche länger hungern lassen?! Ich hätte die magische 3 vorne erreichen können!"

Irgendwo habe ich diese Gedanken immer noch. 38, das war irgendwie eine magische Zahl für mich. 38kg wollte ich wiegen, 38kg waren "perfekt". Ob tot oder lebendig.

Natürlich weiß ich, dass das krank ist. Ich weiß so vieles.

Wenn man Essstörungen durch Wissen über diese heilen könnte, dann wäre ich schon längst gesund.

Ich kenne die Gründe für meine gestörtes Essverhalten.

Ich weiß alle möglichen Methoden, um "ES-Gedanken" zu bekämpfen.

Allein mir fehlt der endgültige Wille.

Immer wieder unternehme ich diverse Anstrengungen, um es "endgültig" zu schaffen.

Immer wieder scheitere ich.

Noch gibt es etwas, was mich in der Essstörung hält.

Und da hört mein Wissen auf, da fangen die Spekulationen an.

Möchte ich mich über meine Essstörung definieren?

Möchte ich krank und zerbrechlich aussehen, damit jeder nett zu mir ist?

Möchte ich einfach nur Mitleid und Aufmerksamkeit, obwohl ich mir bewusst bin, wie erbärmlich das eigentlich ist?

Erbärmlich... Erbarmen... Möchte ich, dass die kalte, grausame Welt Erbarmen mit mir hat?

Möchte ich, dass sich jeder um mich kümmert, wie damals, als ich ein Kind war?

So schleichend die Krankheit meiner Mutter kam, so ging auch meine Kindheit.

Leise, ohne große Abschiedsworte.

Mit 11 war ich erwachsen, da hatte ich das erste Mal Suizidgedanken, begann mich selbst zu verletzen.

Ich war nie "normal", immer übergewichtig.

Das liegt noch ein Problem: Ich weiß gar nicht, wie sich das anfühlt, "normal" zu essen. Seit ich 13 bin, denke ich bei jedem Bissen nach. Wie fühlt es sich an, "normalgewichtig" ohne sich ständig Gedanken ums Essen zu machen?

Die Essstörung ist meine kleine Festung, in der ich mich einschließen kann, wann immer es nötig ist. Wenn draußen der Krieg tobt, mache ich das Tor zu, ziehe die Fallbrücke herauf und bin sicher in meinen Mauern aus Kalorien und Zahlen.

Hier ist alles berechenbar. Die Waage lügt nicht.

Immer wieder wurde ich aus dieser Welt von (m)einem Prinzen befreit. Aber immer wieder kehre ich zurück, laufe davon.

Der Prinz hat mittlerweile aufgegeben... Aber wie viele Prinzen haben versucht, Dornröschen zu befreien? 100 Jahre will ich aber nicht warten; ich will nicht errettet werden - ich will es selbst schaffen.

Irgendetwas habe ich aber in den Kerkern meines Schlosses eingeschlossen. Ich habe vergessen, was es ist.

Und so irre ich noch immer umher und suche danach.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich es irgendwann finde.

Später möchte ich Kinder haben. Sie sollen mit einer gesunden Mutter aufwachsen. Wer weiß, vielleicht sind sie ja auch der Schlüssel, der mir fehlt...?

 

Also JA!, ich möchte gesund werden, ich weiß nur nicht, wann...

 

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